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Um etwas zu verändern muss man sich selbst bewegen – Interview mit dem Präsidium des Studentischen Rats der Leibniz Universität Hannover

von Julia Amthor

In unzähligen Veranstaltungen, Zeitschriften und Flyern versuchen die hochschulpolitisch aktiven Studierenden der Universität euch momentan die Hochschulpolitik ein wenig näher zu bringen. Abseits von Wortdefinitionen und Facherklärungen habe ich mich auf die Suche nach den wirklich wichtigen Menschen in der Studentischen Selbstverwaltung gemacht. Auf den folgenden Seiten findet ihr das Interview mit dem Präsidenten des Studentischen Rats, Christopher Voges und dessen Stellvertreter Wolf Heinel. Lest selbst, was die beiden über den StuRa, sein Verhältnis zum AstA und die Studierendenproteste in Frankreich sagen.

KontrASt: Stellt euch doch bitte erst mal vor. Wer seid ihr, was studiert ihr, wie lange ihr schon im StuRa seid und wie ihr dazu gekommen seid.

Christopher: Ich bin Christopher Voges, bin 24 Jahre alt, studiere seit dem Wintersemester 2007/2008 Rechtswissenschaften, hochschulpolitisch aktiv bin ich seit dem Dezember 2008. Da habe ich angefangen in der Fachschaft einzelne Aufgaben zu übernehmen. Angefangen vom Klausurenpool bis hin zu anderen Dingen. Im StuRa selbst bin ich seit April 2009. Dazu gekommen bin ich, weil Anfang April in der Fachschaft gefragt wurde „ja, wenn schicken wir denn hin, wen delegieren wir?“, und ich mir gedacht habe „warum nicht, kann man ja mal machen“, so bin ich in den StuRa gekommen. Vor der ersten Sitzung habe ich mich erst mal informiert, was der StuRa überhaupt macht. Da stellte ich dann fest, dass der StuRa 9 Millionen Euro verwaltet , cool. Dann kam es bei der ersten Sitzung an der ich teilgenommen habe so, dass sich komischerweise niemand für die Präsidialämter bewerben wollte. Warum auch immer. Ich habe mir dann vor der Wiederholungssitzung gedacht, dass das Spaß machen könnte und habe mich dann beworben, anfangs als Präsident, was als Neuling vielleicht ein bisschen hochgegriffen war. Das sahen zumindest viele der anwesenden Vertreter damals so, dementsprechend habe ich überreden lassen meine Bewerbung so abzuändern, dass ich mich als stellvertretender Präsident zur Wahl stellte. Ich bin auch mit, ich weiß gar nicht mehr wie vielen Stimmen Mehrheit, ins Amt gewählt worden. Im Oktober ist dann der bis dahin amtierende Präsident zurückgetreten, so dass ich dann das Amt ab Oktober geschäftsführend ausgeführt habe. Jetzt in der neuen Legislatur hat mir der StuRa wieder sein Vertrauen ausgesprochen. Ich nutze die Zeit die mir im StuRa gegeben wird, um ihn am Laufen zu halten. Das sehe ich als meine Aufgabe und deshalb bin ich überhaupt mal in den StuRa gegangen. Es ist ja schließlich so, dass der StuRa funktionieren muss. Es ist ein wichtiges Organ, eigentlich das Wichtigste, dass die Studierendenschaft hat. Man kann jetzt sagen der AStA ist das Wichtigste, aber der StuRa wählt ja den AStA von daher wage ich das so zu behaupten. Eigentlich wollte ich noch sagen, dass ich dachte mit neun Millionen Euro erst mit Ende 30 zu tun zu haben, aber das lasse ich jetzt.

Wolf: Ich bin Wolf Heinel, ich studiere bald im 5. Semester Maschinenbau und ich bin im StuRa aktiv seit diesem Semester, also seit dem 4. und im Fachschaftsrat aktiv seit dem 4. Semester, also auch seit diesem und das hat sich so ähnlich ergeben wie bei Christopher. Die meinten halt, wir brauchen Leute die in den StuRa gehen, weil man eben Leute delegieren muss. Und die meisten Leute waren schon delegiert, durften nicht oder hatten keine Lust, und das war dann so per Ausschlussverfahren und ich dachte ich guck mir das mal an, genau wie beim Fachschaftsrat. Man weiß ja nie, was einen erwartet und ich bin dann da hinmarschiert und ja, das mit dem stellvertretenden Präsidenten hat sich dann so ergeben, weil die Leute halt meinten, das ist nicht schwer, da muss man nur vorne stehen und was anschreiben, dachte ich mir, hey, das krieg ich hin und die wollten dann noch einen stellvertretenden Präsidentschaftskandidaten aus dieser Hochschulgruppe haben. Und dann hab ich gesagt, ja mach ich.

KontrASt: Das heißt ihr seid beide über die Fachschaften in den StuRa gekommen.

Wolf: ja Christopher: ja

KontrASt: wie gefällt es euch jetzt im StuRa? Habt ihr euch den StuRa so vorgestellt oder hattet ihr andere Erwartungen?

Wolf: Ich hatte überhaupt keine Vorstellungen. Ich wusste da sitzen Leute und besprechen und entscheiden Dinge, aber ich muss ganz ehrlich sagen ich hab von Politik im größeren Rahmen keine Ahnung und auch über Hochschulpolitik habe ich mich nie wirklich informiert. Ich dachte einfach ich gucke mir das an und guck mal was die so machen und vielleicht ist das ja cool, weil es ja auch wichtig ist. Und ich habe mir einfach gedacht, wer weiß, vielleicht gefällt es mir ja. Und ich finds auch ganz cool, weil das zum Teil echt wichtige Dinge sind, die da entschieden werden habe ich festgestellt. Manchmal ist es echt anstrengend, weil die Sitzungen lange dauern und manche Leute sehr gerne über sehr unwichtige Dinge diskutieren, aber an sich denk ich, das Grundgefühl, dass man auch was für die Mitstudenten tut, find ich gut.

Christopher: Nachdem was ich vorher für Geschichten gehört habe, hatte ich mich eigentlich schon auf Schlammschlachten gefreut zwischen der Linken und der gemäßigten Linken Fraktion. Was anderes gibt es ja eigentlich gar nicht im StuRa, bis auf ein paar Einzelkandidaten (Anmerkung der Redaktion, Sitzverteilung im StuRa als Grafik einfügen). Leider wurde ich dann sehr enttäuscht, da es in der letzten Legislatur sehr gemäßigt, gerade zu produktiv zuging und in dieser noch mehr geht.

Wolf: Das liegt an den Naturwissenschaftlern.

Christopher: Kann gut sein.

Wolf: da hab ich mich neulich schon mit jemandem drüber unterhalten. Der meinte, früher war das nur Durcheinander und Schlammschlachten und jetzt sei das viel besser geworden.

Christopher: Vielleicht liegt es auch an uns (Anmerkung: dem Präsidium) W: Ich weiß es nicht. Früher waren es wohl (Anmerkung: das hab ich alles nur gehört, nicht das das ncoh ärger gibt^^)ganz viele aus dem ganzen Geisteswissenschaftlichen Bereich, die haben ganz viel diskutiert und dann erst kamen ein paar Physiker und die sind so Pragmatiker und denken sich, ey, ich will hier nicht die ganze Zeit diskutieren, lass uns mal was entscheiden und das hier schnell fertig kriegen.

KontrASt: und warum habt ihr euch dazu entschlossen gerade in den StuRa zu gehen und nicht in ein anderes hochschulpolitisches Gremium mit studentischer Beteiligung?

Christopher: Ich war ja auch lange in der Fachschaft aktiv, das habe ich jetzt im Januar diesen Jahres auf Grund anderer Dinge eingestellt. Im StuRa war am Anfang zusätzlich, mittlerweile schwerpunktmäßig tätig. Was andere Gremien angeht: Für den AStA habe ich ehrlich gesagt nicht die Zeit, für den Senat somit auch nicht, und die Wahrscheinlichkeit darein gewählt zu werden ist auch unglaublich gering, dafür musst du schon, will ich vielleicht besser nicht sagen, wird ja vielleicht auch veröffentlicht, da sag ich das besser nicht.

KontrASt: Wahlkampf betreiben?

Wolf: Wie gesagt, bei mir ist die Sache, ich hab nicht wirklich die Ahnung gehabt welche Gremien es alles gibt und was die einzelnen Gremien tun und mir ist das momentan immer noch zum Teil etwas schwammig und deshalb bin ich erst mal in den Fachschaftsrat gegangen und dachte „hey cool, ich bin jetzt im Fachschaftsrat, was tu ich jetzt?“. Dann kam das mit dem StuRa und dann hat sich das alles so nacheinander ergeben, aber da ich mich selber nie informiert habe was es so gibt und es nie eine große Veranstaltung bei uns gibt, die erzählt „hey, mach das und das“ und ich ehrlich gesagt ein fauler Sack bin, dachte ich, ich steig erst mal ein und guck was es so gibt. Und: AStA, ich wusste zwar was der AStA tut, aber das ist mir immer so eine Nummer so groß gewesen. Ich dachte immer die machen voll viele wichtige Dinge und müssen voll viel arbeiten und ich bin nicht so der gute Organisator.

KontrASt: Das Problem, was du auch gerade angesprochen hast, dass viele Studierende gar nicht richtig wissen was es für Gremien gibt geht, meiner Meinung nach, ganz vielen so. Seht ihr da den StuRa auch mit in der Verantwortung da mitzuwirken und mehr Studierende für die Selbstverwaltung zu begeistern?

Christopher: Man muss leider sagen, dass der StuRa in den letzten Jahren dazu verkommen ist ein kleiner Eigenbrötler zu werden. Da wollen wir ja zur Zeit auch gegen wirken, auch durch den Beschluss vom letzten Mal bezüglich der PR-Arbeit (Anm. d. Red. : Der StuRa hat auf der Sitzung vom 08.09.10 beschlossen eine PR-Kommission zu gründen, die sich mit der Öffentlichkeitsarbeit des StuRa beschäftigen soll). Ich halte es schon für wichtig, dass man zum Beispiel im Rahmen der Hochschulinformationstage oder im nächsten Monat in der Einführungswoche mal zu den Erstsemestern hingeht und denen sagt: „ hier, ihr müsst ja nicht sofort, aber für die Zukunft, kommt vorbei, guckt es euch an, vielleicht habt ihr ja was beizutragen. Oder vielleicht kommt ihr ja auf Ideen was ihr so machen könntet, wenn ihr euch das anguckt“, so was in die Richtung.

Wolf: Ich weiß jetzt nicht, ob man sagen kann, dass der StuRa dafür verantwortlich ist. Es ist ja auch generell nicht so, dass die Regierung sagt „Hey Leute, wenn ihr im Land mitbestimmen wollt, dann müsst ihr zu uns kommen. Wir machen die Entscheidungen“, andererseits, wer würde es sonst tun? Es kümmert sich ja sonst niemand drum und ich denke, es ist wichtig, dass die Studierenden selber wissen, es gibt da so ein Gremium, da können wir reingehen und da können wir theoretisch Entscheidungen treffen, wenn wir gewillt sind uns darum zu kümmern.

KontrASt: Glaubt ihr denn, dass der StuRa Wirkmacht hat?

Christopher: Natürlich hat StuRa Wirkmacht. Der StuRa hatte letztes Jahr beispielsweise an Kindertagesstätten 18.000€ aus studentischen Mittel zu verteilen und natürlich hat er schon allein durch solche Maßnahmen Wirkmacht. In diesem Beispiel sogar außerhalb der Hochschule. Außerdem wird im StuRa ja über den Jahreshaushalt der Studierendenschaft entschieden, woraus sich der AStA finanziert, die Fahrkarten gekauft werden, womit das Festival contre le racisme ausgerichtet wird , etc.. Das sind alles Sachen, die sich auf die Studierendenschaft auswirken. Genauso ist der StuRa ja das Sprachrohr der Verfassten Studierendenschaft, also aller Studenten, durchaus in der Lage sich Gehör zu verschaffen, beim Universitätspräsidium und beim StuWerk (Anm. d. Red.: Studentenwerk) zum Beispiel.

Wolf: Also Wirkmacht ist schwer zu sagen. Ich hab davon leider noch nicht so viel von mitbekommen. Die meisten Entscheidungen, die getroffen wurden, seit dem ich dabei bin, waren diese ganzen Haushaltsentscheidungen. Ich denke, dass ist zwar unglaublich wichtig, aber das wird halt jedes Mal entschieden und ich glaube es ist noch nie vorgekommen, dass der Haushalt vorgelegt wurde und der StuRa gesagt hat ‚nee, nee, nee, das finden wir alles doof.’

Christopher: Ja, die Arbeit einen alternativen Plan aufzustellen macht sich niemand. Wolf: Weil die Leute dazu einfach keine Lust haben. Bis jetzt ist mir noch kein Fall vorgekommen, wo der StuRa aktiv wirklich eingegriffen hat und gesagt hat ‚so, wir machen jetzt das und das’ und dann radikal irgendwelche Sachen verändert hat. Ich kann das noch nicht beurteilen, ob er wirklich Wirkmacht hat und es gab ja auch immer so Stellen, die gesagt haben, da wird auch viel gegen gelenkt (Anm. d. Red.: gegen gelenkt von Universitätsseite aus) und ich weiß halt nicht, wie weit der sich da wirklich durchsetzen kann oder ob der momentan eher so ein Durchwinkorgan ist, bleibt abzuwarten.

Christopher: Das Hauptproblem was der StuRa momentan hat was mangelnde Wirkmacht angeht ist, dass viele Studentinnen und Studenten, die ein mal ein Amt haben, sei es in irgendeiner Kommission oder etwas anderem, meiner Erfahrung nach dazu neigen, eigenständig, fast schon isoliert zu arbeiten. Also rein theoretisch hätte ja der StuRa die Möglichkeit zu sagen‚ wir wurden jetzt informiert, dass gegen jene oder welchen ein Ausschlussverfahren aus der Universität läuft, ein Exmatrikulationsverfahren wegen irgendwas. Das finden wir aber nicht gut. Dementsprechend dem Studenten in der betreffenden Kommission den Auftrag erteilen so stark er kann gegen zu arbeiten. Aber leider hat der StuRa in so einem Fall nicht die Möglichkeit das durchzusetzen, sollte der Student, der in diesem Gremium sitzt, das ganze anteilnahmslos hinnnehmen. Der StuRa hat nicht die Möglichkeit die eigenen Leute zur Raison zu rufen. Das liegt aber an der Struktur, die wir hier haben, an der hochschulpolitischen.

KontrASt: Also wärst du praktisch für eine Weisungsbefugnis vom StuRa für die Vertreter_innen in den anderen Gremien?

Christopher: Weisungsbefugt ist jetzt vielleicht ein bisschen weitgehend, aber man sollte schon so eine Art Abstrafungsmechanismus etablieren, dass man einen Studenten, der in einem Amt, das auch wichtig ist, richtig Mist baut aus dem hochschulpolitischen Geschehen ausschließt . Zumindest aus so wichtigen Ämtern, er oder sie kann ja gerne weiterhin mitreden, aber keine solchen Ämter mehr bekleiden.

KontrASt: Und das soll dann durch den StuRa entschieden werden?

Christopher: Ja, entschieden durch den StuRa.

KontrASt: Das ist doch ein interessanter Punkt, weil dadurch würdest du ja auch die Rolle des StuRas in der Verfassten Studierendenschaft doch stärken wollen. Mehr Möglichkeiten zuweisen. Wie seht ihr denn den StuRa im Universitären Kontext auch im Hinblick auf das Präsidium, Institute und Fakultäten?

Christopher: Es ist ja so, wie ich das vorhin schon mal sagte. Der StuRa ist als Sprachrohr der Studierenden tätig auch im Außenverhältnis, wie auch der AStA, da wird sich dementsprechend ja immer abgesprochen. Daher hat das schon ein gewisses Gewicht, wenn der StuRa zum Präsidium geht und sagt‚ wir finden Kameraüberwachung blöd’ - wir haben tatsächlich eher Worte wie verfassungswidrig gebraucht - oder was auch immer. Dass sich das Präsidium in der Vergangenheit oft nicht so kooperativ gezeigt hat, wie man das gerne hätte, ist ein Problem bei dem wir nicht wirklich ein Druckmittel haben. Wir können zwar demonstrieren, aber wenn das Präsidium der Uni sich hinsetzt und sagt ‚ist uns doch egal’ was sollen wir da machen?

KontrASt: was wäre denn ein angemessenes Druckmittel?

Christopher: Ich sehe das ja so, dass wir seit Einführung der Studiengebühren zahlende Kundschaft der Universität sind und dementsprechend sollten wir ein Mitspracherecht haben, zumindest was die Verteilung dieser Mittel angeht. Jetzt sind politische Initiativen in diese Richtung in der Vergangenheit immer gescheitert, an den vorhin schon mal angesprochenen linkeren Linken, die die die Meinung vertreten hat‚ dass jedwede Mitwirkung an der Verteilung von eine Befürwortung dieser sei. Man darf Studiengebühren nicht befürworten. Diese Stimmen waren in der Vergangenheit im StuRa noch sehr laut und sehr viele, sind aber weniger geworden.

KontrASt: und das wäre das Druckmittel?

Christopher: Wir könnens ja machen wie die Studenten in Paris bei der Einführung von Studiengebühren und die Straßen anzünden, aber das ist nicht so gut, vor allem vor dem strafrechtlichen Hintergrund.

Wolf: Die zünden aber generell gerne Straßen an.

Christopher: Ja, das ist wohl die französische Mentalität.

Wolf: Ja, und es funktioniert.

Christopher: Ich möchte hier niemanden dazu aufzurufen Brandstiftung zu begehen oder ähnliches, aber man sollte sich schon mal überlegen, warum wir uns so viel gefallen lassen. In Deutschland allgemein, aber auch die Studierendenschaft.

Wolf: Mit dem StuRa im allgemeinen Kontext. Wie gesagt, ich bin da immer noch etwas unsicher. Ich hab den bis jetzt ein bisschen als Legislative verstanden. Da ja zum Beispiel die Satzung ja vom StuRa abgestimmt werden muss. Das Verhältnis von StuRa und Präsidium ist mir immer noch nicht so ganz klar. Ich hab immer das Gefühl, dass der StuRa ist so die Opposition in der Universität, aber ob das wirklich so stimmt weiß ich eben nicht. Da müsste ich mich halt noch ein bisschen mehr mit befassen. Aber ich denke, dass trifft es schon ziemlich gut, weil ich vermute, dass in der Universität auch Gewaltenteilung angestrebt wurde und es deshalb das Präsidium, den StuRa und den AStA gibt und ich weiß jetzt nicht, in wie fern der AStA irgendwie vom Präsidium… Die haben ja nichts miteinander zu tun eigentlich…

KontrASt: nee

Christopher: Außer beim Briefverkehr

Wolf: Ja, Briefverkehr. Aber das Präsidium kann dem AStA ja nichts sagen. Deshalb ist es auch immer das Problem, dass der StuRa…, das da kaum Ideen kommen, was der AStA jetzt tun kann, und im Prinzip wird die ganze Arbeit nur hier geleistet, nicht im Hörsaal (Anm. d. Red.: Das Interview fand in den Räumen des AStA statt, der StuRa tagt i.d.R. in Hörsaal A310)

KontrASt: Das ist auch ein guter Punkt. Wie seht ihr den das Verhältnis von StuRa und AStA?

Wolf: Das ist im Prinzip genau so, wie ich das gerade gesagt habe. Im StuRa sind viele Leute drin, die sich noch nicht so ganz sicher sind, was sie da tun und sich nicht so gut damit auskennen und die Leute, die im AStA sitzen, und das hat mir gegenüber auch schon mal jemand gesagt, die arbeiten intensiv die ganze Zeit mit dem was sie tun und haben deshalb auch unglaublich viel Ahnung davon. Im Gegensatz zu den Leuten, die im StuRa sitzen. Deshalb haben die Leute im AStA natürlich einen viel besseren Blick dafür was wichtig ist, was man tun muss und was getan werden kann. Deswegen tun sie das auch, sie sind ja im Prinzip auch die Exekutive, aber die ganze Arbeit bleibt dann eben beim AStA hängen und der StuRa sitzt dann daneben und sagt ‚ja das dürft ihr tun oder das eben nicht’. Diese Dynamik ist im Moment ein bisschen träge und das find ich eigentlich ziemlich schade.

KontrASt: also mehr Initiativen aus dem StuRa heraus

Wolf: Sollten eigentlich kommen. Die Frage ist nur, hat der StuRa überhaupt Kapazität dazu, diese zu bringen. Also sind da wirklich Leute, die Ideen haben, die der AStA umsetzen kann. Und das habe ich bisher noch nicht so mitbekommen.

Christopher: Das sehe ich im Großen und Ganzen ähnlich. Es ist nun mal so, dass der StuRa den AStA wählt und dass der AStA, so war es in der Vergangenheit leider oft, eine Legislatur dann macht was er möchte. Am Ende kommen dann die Rechenschaftsberichte, in denen die ganzen Erfolge aufgezählt werden, dann gibt es eine politische Entlastung und fertig. Obwohl der StuRa ja Weisungsbefugt ist gegenüber dem AStA. Ich möchte nicht dafür argumentieren, dass der StuRa dem AStA im Detail vorschreibt, was er zu tun hat, aber wie Wolf schon gesagt hat, eine Ausweitung der Initiativen von Seiten des StuRas wäre sehr wünschenswert. Und da wäre auch ein Appell an alle Studenten, die Ideen haben, sie im StuRa oder direkt im AStA in irgendeiner Form zu beteiligen. Es war in der Vergangenheit leider so, dass im StuRa viel Business as usual betrieben wurde. Was anderes kam da selten. Ausnahmen waren hier die Kindertagesstätten und die Sache mit der Kameraüberwachung.

KontrASt: Ich glaube da kann ich auch für den AStA sprechen und sagen, dass wir uns sehr drüber freuen würden, wenn vom StuRa Initiativen oder Anregungen für unsere Arbeit kommen. (Anm. d. Red., die Interviewerin ist Mitglied des AStA-Kollektivs)

Christopher: Obwohl es ja nicht vom StuRa kommen muss.

KontrASt: Ja klar, zum einen hat ja jede_r Studierende Antragsrecht oder zum Anderen kann man auch direkt zu uns in den AStA kommen. Es kann ja auch eine Einzelperson, die noch nie etwas mit Hochschulpolitik zu tun hatte, die beste Idee aller Zeiten haben.

Christopher: Ja, man könnte sich zum Beispiel sagen: „Ich hab eine tolle Idee, schreib die einmal auf, trag es einmal vor, vielleicht finde ich eine Mehrheit.“ Einen Versuch ist es wert. Da blamiert sich keiner.

Wolf: Ich glaube ein ganz großes Problem dabei ist eben, dass wenig Leute wissen, in was für einem Rahmen der AStA überhaupt arbeitet. Also man sieht zwar was der AStA tut, aber wenn man jetzt denkt ‚mh, das wäre eine coole Idee’, weiß man nicht, ob das jetzt vernünftig ist oder geht das völlig an den Aufgaben des AStAs vorbei. Das geht auch, glaube ich, Leuten im StuRa so, wie auch Leuten außerhalb des StuRas so; Die dann denken, das ist jetzt echt ne gute Idee, aber ob das so passt, mh… Schwierig.

KontrASt: was mir auch oft auffällt, dass die Vernetzung unter den Studierenden zum Teil sehr schleppend läuft, gerade im Bezug auf andere Gremien. Es gibt zwar bei den StuRa-Sitzungen immer Berichte aus anderen Gremien, aber eine gemeinsame inhaltliche Arbeit findet da, meiner Meinung nach, eher selten statt. Und da wäre jetzt meine Frage, ob da vielleicht auch das StuRa-Präsidium Anstöße geben könnte diese Situation zu verbessern, oder seht ihr das Problem gar nicht so?

Wolf: Doch ich seh das auf jeden Fall so. Das ist ein großes Problem. Ich merk das auch bei mir selber, wenn das gefragt wird, ob es aus den Gremien was zu berichten gibt, und ich denke dann ‚oh, war da was?’. Das Problem ist, dass die Leute dann zwar da sind und im besten Fall auch aufmerksam sind, zu einem anderen Gremium die Informationen nicht so mittragen können. Was ich richtig gut finden würde, wenn es aus den anderen Gremien so eine Art Informationsbeauftragte gäbe, denen dann gesagt wird ‚ihr sagt denen das, das und das’, was wir entschlossen haben. Das es wirklich eine Person dafür gibt. Denn wenn es niemanden gibt der Verantwortlich ist, das ist meine Erfahrung, dann wird es nicht gemacht.

Christopher: Meiner Meinung nach wäre ein erstrebenswertes Ziel eine Vernetzung in Form von einer universellen Website. Eine Website mit Allem für Alle das wäre mein persönlicher Wunsch für die mittelfristige bis ferne Zukunft, denn kurzfristig wird sich das nicht umsetzen lassen. Eine solche Website wäre im Aufbaustadium eigentlich nur dazu da eine Übersicht zu geben, ähnlich wie die AStA-Website heute unter dem Reiter „Gremien“. Wo man zu diversen Gremien kommt und zum AStA-Wiki, was meiner Ansicht nach, viel zu wenig genutzt wird. Sowohl von der Seite des Erstellers als auch von der Seite des Konsumenten. Langfristig sollte dann angestrebt werden irgendwann ein Medium zu haben, wo man sagen kann, vielleicht mit einem Suchreiter oder ähnlichem, ich möchte jetzt Protokolle aus der Gartenbaufachschaft. Dann hat man da eine Liste von Protokollen, natürlich anonymisiert, wir wollen ja keine Namen und Zahlen verbreiten. So dass man dann sagen kann, die haben ja vor zwei Jahren beschlossen, das der Fachschaftsraum grün gestrichen werden soll, er ist immer noch rosa, da wollen wir doch mal hingehen und fragen was los ist.

KontrASt: Also auch aktiv zum selber nutzen.

Christopher: Ja, aktiv zum selber nutzen. Jeder Student soll nachgucken können, „Was habe ich eigentlich für Rechte, Pflichten? Was hat meine Fachschaft beschlossen? Was davon hat direkt auf mich Einfluss?“

KontrASt: Ja, so was wäre nett. Ich finds auch immer schön, wenn wir soweit wären, dass man die Möglichkeit hat, Initiativen oder ähnliches auf der Plattform zu diskutieren, um noch mehr Menschen die Möglichkeit zu geben sich daran zu beteiligen. Das war auch beim letzten StuRa, wo auf die Frage ‚wer sitzt hier und hat kein Stimmrecht?’ sich außer dem AStA nur eine Person gemeldet hat. So etwas finde ich auch sehr schade, weil es können ja eigentlich alle Studierenden Anträge oder Anfragen mit diskutieren.

Wolf: Ich denke, dass ist ein generelles Problem in der Unipolitik, oder ich denke in der Politik allgemein, vielleicht nicht so sehr, aber auf jeden Fall in der Uni, dass es die Leute gar nicht so sehr interessiert. Das geht eben so an denen vorbei, die denken dann, da wird sich schon jemand drum kümmern, aber selbst die Initiative ergreifen wollen sie eben nicht. Und genau da sehe ich auch immer das Problem bei so offenen Sachen, das ist zwar immer eine schöne Sache, aber wenn man nicht ein oder zwei Personen sagt, ihr kümmert euch speziell darum, alle andere dürfen zwar auch, aber ihr müsst euch primär darum kümmern, dann wird das einfach nicht gemacht. Also das ist jetzt meine Erfahrung. Wenn man den Leuten dann sagt, ihr könnt das tun, dann heißt das meistens, ich hab kein Bock, ich mach’s nicht.

KontrASt: Es ist ja auch immer weniger Zeit. Studium wird auch immer umfangreicher, bei Maschbau und Jura kennt ihr das Problem ja wahrscheinlich, dass die Stundenpläne immer voller werden und der Lernfaktor sehr hoch ist. Sich da dann nebenbei noch hochschulpolitisch zu engagieren wird auch immer schwerer. Gerade bei Maschbau gibt es ja sehr viele Studierende, wenn man sich dann den Teil anguckt, die sich engagieren sind es doch recht wenige.

Wolf: Ich glaube nicht, das Zeit immer unbedingt das Problem ist. Natürlich ist die Zeit eng bemessen und man hat nicht immer Zeit sich drum zu kümmern und sagt dann auch mal, heute kann ich nicht zum Fachschaftsrat kommen, das ist dann auch ok. Aber es fehlt halt immer diese Zuteilung. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen… das sind so beengende Vorstellungen, dass man immer jemanden haben muss, der für irgendwas zuständig ist, aber es sagt einfach meine Erfahrung, dass wenn man den Leuten sagt, ihr könnt euch drum kümmern wenn ihr Zeit habt, dann fühlen sie sich nicht unbedingt verpflichtet. Also ich denke, dass ist etwas was Leute häufig zum Arbeiten antreibt. Es gibt natürlich Leute, die das freiwillig machen, die sagen sie finden das super und machen es deshalb, aber das sind einfach sehr wenige leider. Und die muss man auch erst mal finden, dass ist ja immer das Problem mit dem Generationswechsel, auch im Fachschaftsrat. Man muss erst mal Leute finden, die hinterher kommen und sich dafür wirklich interessieren und das gerne machen. Und wenn die nicht nachkommen, einfach weil die Leute nicht da sind, dann passiert eben nichts.

Christopher: Das zeitliche Argument, das vorhin kam, würde ich so ähnlich sehen, Man hat die Zeit. Es ist nur die Frage, wie man sie nutzt. Es gibt Studenten, die wirklich rund um die Uhr lernen, tagsüber in der Vorlesung, abends in Arbeitsgruppen, muss es ja auch geben. Dann gibt es Studenten, die das Kredo verfolgen, dass man in 20% der Zeit 80% der Arbeit tut, ihre 2- anstreben, oder in welchem Notensystem wir uns auch immer befinden Wolf: Vier gewinnt

Christopher: Oder das. Und dann gibt es halt noch die, die es neben dem Studium, was sie oft ja auch sehr gut abschließen, noch schaffen sich ehrenamtlich zu engagieren. Diese Leute findet man natürlich seltener auf irgendwelchen Orgien oder Besäufnissen. Es ist nun mal so, dass die, die es richtig ernsthaft machen, ihre Freizeit darauf verwenden. Es kommt halt immer auf die persönliche Vorliebe an. Der eine Student möchte in der Regelstudienzeit fertig werden, schnell bei einer großen Firma anfangen und Geld verdienen, der andere nutzt die Zeit als Lebenszeit, wie es immer gerne genannt wird und amüsiert sich so viel er kann, die dritten nehmen ein Mittelmaß und die vierten, sind die, die sich, obwohl sie eigtl. Zu Gruppe eins, zwei oder drei gehören, zusätzlich mal mehr mal weniger hochschulpolitisch engagieren, aus welchen Gründen auch immer.

KontrASt: Das stellst du ja ein sehr trockenes Leben dar. *lacht*

Wolf: Ja, entweder man säuft oder man tut was wichtiges. *lacht*

KontrASt: Ja, ich glaube auch, dass Leute, die sich sehr stark hochschulpolitisch einbringen, trotzdem Spaß haben können.

Christopher: Mein Beispiel hinkt leider daran, dass ich davon ausgehe, dass alle gleichviel für ihr Studium tun oder tun müssen. Es gibt auch Studiengänge wo mehr Zeit ist für andere Dinge.
Ach streich lieber das ganze und schreib, dass ich Wolf zustimme.

KontrASt: Ja und Orgien sollte grundsätzlich jede_r haben können.

Wolf: Wir können uns ja im Konsens darauf einigen, dass Orgien grundsätzlich gut sind. Zustimmung bei allen.

KontrASt: gut, dann nehmen wir das mit auf. (Pause) Ist es denn überhaupt wichtig sich hochschulpolitisch zu engagieren?

Christopher: Kommt auf das Thema und den Teilbereich drauf an in dem man sich engagiert.

Wolf: Es kommt drauf an, wie man wichtig definiert.

KontrASt: Wie definiert ihr denn wichtig?

Wolf: Ui, schwierig. Wenn man darüber nachdenkt, dass alles was entschieden wird, die Studenten generell betrifft, also auch einen selber. Und die Möglichkeit zu diesem Engagement besteht, dann ist es eigentlich schon extrem wichtig, dass man das auch wahrnimmt. Sonst verkümmert das Ganze ja einfach. Das ist generell bei jeder politischen Entscheidung so, dass es besser ist sich drum zu kümmern, weil sonst einfach an den eigenen Interessen dran vorbei diskutiert wird und über den Kopf hinweg irgendwas entschieden was man gar nicht möchte. So in Dresden ist da ein ganz gutes Beispiel, das geht aber eher in die andere Richtung. Da haben sie ja dieses Rätesystem, die haben ja nicht den StuRa und den AStA, und mir wurde mitgeteilt, dass es da ein Gremium gibt, in dem gleich viele Angestellte der Universität, also Professoren und der gleichen, und Studenten sitzen. Da aber die Professoren häufig nicht so viel Zeit oder Lust haben da hinzukommen, haben die Studenten quasi die Entscheidungsmacht. Und die haben dann mal so entschieden, nö, wir wollen kein Bachelor-/Mastersystem und die haben immer noch das Diplom. Und da sieht man eben, wenn man sich nicht drum kümmert, dann passieren Dinge, die man nicht gerne möchte.

Christopher: Ich seh´ das ja so, wer es nicht schafft seinen Arsch zu erheben, der sollte hinterher auch nicht meckern. Jetzt ist es so, dass viele Studenten meckern, über die Studienbedingungen, die wir in Hannover haben. Das ist einfach. Es zu ändern ist dann schon schwieriger. Aber das ist der Punkt, damit sich was ändert. Man muss man selber aufstehen und losmarschieren. Sei es zur Fachschaft, zum StuRa, zum AStA, auf eine Demo, was auch immer. Vom zu Hause sitzen hat sich noch nie was geändert.

KontrASt: Wahre Worte. Ich hätte nur noch eine Frage zum Abschluss, außer ihr möchtet noch etwas hinzufügen… Dann würde ich euch bitten noch ein oder zwei Sätze zu sagen, die alle Studierenden, die jetzt anfangen zu studieren oder schon dabei sind, auffordern sich zu beteiligen. Euer Schlüsselsatz. Eine Motivationsaussage an alle Studierenden.

Wolf: Ich finde das, was Christopher gesagt hat, eigentlich sehr gut. Viele Leute haben die Tendenz dazu zu jammern, aber nichts daran zu ändern, denn das ist die einfache Möglichkeit. Wenn etwas doofes passiert und man wartet bis das vorbei ist und dann sagt man ‚hey, das war aber blöd’, dann kann man daran nichts mehr ändern, denn es ist schon vorbei, aber es ist einfach, weil es ja genug gibt, worüber man meckern kann. Wenn man jetzt den Arsch hoch kriegt und sich wirklich darum kümmert, dann muss man vielleicht ein bisschen Arbeit reinstecken, aber das ist meiner Meinung nach einfach auch den anderen Personen gegenüber die fairere Variante, dann können die nichts falsch machen worüber man meckern kann. Und dann werden vielleicht auch die Dinge entschieden, die man haben möchte.

Christopher: Da das ja ursprünglich meine Worte waren kann ich mich da nur anschließen.

Wolf: Ich wollte jetzt nicht deine Worte klauen.

Christopher: Nein, ist doch gut, das noch mal zu erwähnen.

KontrASt: Dann schreib ich da einfach eure beiden Namen vor.

Wolf: Wir haben das quasi unisono in den Raum geschrieen.

Christopher: Ja.

KontrASt: und die Einheit des Präsidiums demonstriert. Vielen Dank für das Interview.

informationen/kontraste_2010-10_stura-interview.txt · Zuletzt geändert: 2010/09/21 17:39 von hedwig